1786 – 1845
Ein König sucht sich Italien in der Pfalz
Um zu verstehen, warum ein bayerischer König ausgerechnet über Rhodt bauen ließ, muss man wissen, wo er herkam. Nicht aus München.
Eines vorweg, weil es sonst wie eine Laune aussieht: Die bayerischen Könige waren der Herkunft nach Pfälzer. Das Haus Wittelsbach hatte sich im Mittelalter in eine bayerische und eine pfälzische Linie geteilt, und als die bayerische 1777 ausstarb, fiel das Kurfürstentum an die Pfälzer Vettern; seit 1799 regierte in München die Linie Pfalz-Zweibrücken. Wenn Ludwig I. also in die Pfalz kam, kam er nicht als Landesherr in eine entlegene Provinz, sondern in das Land seiner Familie.
Er kam am 25. August 1786 in Straßburg zur Welt, im Hôtel des Deux-Ponts, dem Stadthaus der Zweibrücker in der elsässischen Hauptstadt; sein Vater diente dort als französischer Offizier, was für einen Prinzen dieses Hauses damals ein üblicher Weg war. Seine Taufpaten waren Ludwig XVI. und Marie-Antoinette – er trug den Namen des französischen Königs. Drei Jahre später trieb die Revolution die Familie über den Rhein; der Junge wuchs in Mannheim und in Rohrbach auf, wenige Stunden von hier. Die Pfalz war seine Kindheit, und er hat es nie vergessen: „Dich vergesse ich nicht, die du Aufenthalt warst meiner Kindheit, Pfalz!“, dichtete er später.
Er war ein König, der dichtete – vier Bände Verse zwischen 1829 und 1847 – und der lieber baute als regierte. Für sich selbst brauchte er wenig; für die Kunst gab er Millionen: Glyptothek, Pinakothek, Walhalla – unter ihm wurde München zum „Athen an der Isar“. Und er war ein Mann mit einer einzigen großen Liebe: Italien, seit er es 1804 mit achtzehn Jahren zum ersten Mal gesehen hatte. Was er dort suchte, war weniger die Antike als das Licht; er hat es sein Leben lang wieder haben wollen und fand es zuletzt hier.
Seit 1816 gehörte die Pfalz zu Bayern, seit 1825 war Ludwig König, und ab 1829 kam er regelmäßig in seine alte Heimat. Was er hier wollte, hat er in einem Satz gesagt, der die ganze Absicht enthält: „eine Villa italienischer Art, nur für die schöne Jahreszeit bestimmt und in des Königreichs mildestem Teil“. Jedes Wort davon zählt. Italienisch, weil das Vorbild feststand. Nur für die schöne Jahreszeit, weil es kein Regierungssitz werden sollte. Und mildester Teil, weil das nüchtern stimmt: Kein Landstrich seines Königreichs hatte mehr Sonne als der Haardtrand.
Der Plan brauchte trotzdem Zeit. Das Hambacher Fest von 1832 kam dazwischen – nach jenem Pfingstsonntag, an dem dreißigtausend Menschen für Pressefreiheit auf den Berg gegenüber gestiegen waren, hatte ein königlicher Sommerbau zu warten. Dreizehn Jahre später war die Lage ruhig genug: 1845 kaufte Ludwig das Gelände über Rhodt von den Gemeinden Rhodt und Edenkoben, gut drei Hektar für 1.320 Gulden. Am 8. Oktober jenes Jahres war Regierungspräsident Freiherr von Schrenk in Edenkoben, um die Sache zu regeln.

1846 – 1852
Zwei Baumeister, ein Haus
Das Haus hat zwei Väter, und die beiden waren ein Leben lang Rivalen. Dass es trotzdem aus einem Guss wirkt, ist die eigentliche Leistung.
Den Entwurf lieferte Friedrich von Gärtner, geboren 1791 in Koblenz, ausgebildet in Paris bei Percier und Fontaine, den Architekten Napoleons. Vier Jahre lang, von 1814 bis 1818, hatte er in Rom, Neapel und Sizilien antike Ruinen vermessen und darüber ein Buch veröffentlicht – eine Ausbildung, die man damals nicht an einer Hochschule bekam, sondern mit dem Zeichenblock vor Ort. 1839 reiste er mit dem König gemeinsam nach Italien; auf dieser Reise entstand die Idee zum Pompejanum in Aschaffenburg, einem Nachbau eines römischen Wohnhauses, und wohl auch der Gedanke, dass man sich so etwas auch in die Pfalz stellen könnte. Gärtner war der Mann der Münchner Ludwigstraße, der Staatsbibliothek, des Siegestors. Die Villa Ludwigshöhe wurde sein letzter Entwurf.
Am 18. Mai 1846 wurde der Grundstein gelegt, die Bauleitung vor Ort hatte Joseph Hoffmann aus Ludwigshafen. Am 21. April 1847 starb Gärtner in München, fünfundfünfzig Jahre alt – und Ludwig übergab das halbfertige Haus ausgerechnet dem großen Gegenspieler des Verstorbenen: Leo von Klenze, dem Schöpfer der Glyptothek und der Walhalla. Zwei Jahrzehnte lang hatten die beiden um die Gunst des Königs gewetteifert; selbst die Münchner Ludwigstraße tragen sie zu zweit, das südliche Ende Klenze, das nördliche Gärtner. Klenze, hochgebildet und ein Kenner der Antike wie kaum ein Zweiter, vollendete das Haus mit Respekt vor dem fremden Entwurf – eine noble Geste unter Rivalen, und der Grund, warum man dem Gebäude die zwei Hände nicht ansieht.
Dann kam 1848. Im März legte Ludwig die Krone nieder; das Revolutionsjahr hatte ihm das Regieren verleidet. „Regieren konnte ich nicht mehr“, sagte er, „und einen Unterschreiber abgeben wollte ich nicht.“ Für die Baustelle in der Pfalz hatte das eine handfeste Folge: Die Arbeiten ruhten bis zum Herbst, und der Staat zahlte nicht mehr, denn das Haus war nun kein Staatsbau mehr. Was fehlte, bezahlte der Privatmann Ludwig aus eigener Tasche. Das Sommerhaus eines Königs wurde so, noch bevor es fertig war, das Sommerhaus eines Mannes, der sich fortan ganz dem widmen konnte, was er liebte.
Entstanden ist eine Vierflügelanlage um einen rechteckigen Innenhof, zweigeschossig, klassizistisch, nach dem Vorbild antiker Säulenhallen-Villen. Klassizismus heißt dabei nicht Prunk, sondern Maß: klare Achsen, ruhige Wände, Schmuck nur dort, wo er etwas ordnet. Zur Ebene hin öffnet sich eine doppelte Loggia, unten dorische, oben ionische Säulen, davor eine zweiläufige Freitreppe. Eine Loggia ist dabei mehr als Zierrat – ein überdachter Freiraum, in dem man im Schatten sitzt und trotzdem draußen ist, genau das, wofür man in ein mildes Klima zieht. Dazu kamen ein Kavaliersbau für das Gefolge und ein Marstall, im Ganzen zweiundsechzig Räume. Am 6. Juni 1852 war das Haus fertig, und man sieht ihm an, wofür es gedacht war: Es hat keine Wehrmauern wie die Burg über ihm und keine Kelter wie das Schlössel unter ihm. Es hat Loggien.

Pompeji in der Pfalz
Was hinter den Säulen liegt
Ludwig I. hat Italien nicht nur zitiert. Er ließ es sich an die Wände malen – von einem Tiroler. Und die Böden kamen aus Edenkoben.
Seit man ab der Mitte des 18. Jahrhunderts in Pompeji und Herculaneum grub, war Europa in die antiken Wandmalereien verliebt, die dort unter der Asche zum Vorschein kamen: rote und schwarze Felder, feine Ornamentbänder, kleine gemalte Architekturen, die einen Raum weiter erscheinen lassen, als er ist. Für die Zeit war das keine Antiquiertheit, sondern die neueste Mode, und wer sie sich ins Haus holte, zeigte, dass er die Ausgrabungen kannte. In der Villa Ludwigshöhe hat der Tiroler Dekorationsmaler Joseph Schwarzmann mehrere Räume so ausgemalt, Decke und Wand in einem Zug. Schwarzmann war Ludwigs Mann für solche Aufgaben; er hatte schon in München für ihn gearbeitet.
Die Böden sind das eigentliche Wunder, und sie sind das Stück Haus, das dieser Gegend gehört. Es sind keine gewöhnlichen Parkette, sondern Mosaike aus dünnen Plättchen verschiedenfarbiger Edelhölzer, nach antiken Vorbildern gelegt – Arbeit, bei der jedes Feld einzeln zugeschnitten und eingepasst werden muss. Gefertigt hat sie nicht ein Münchner Hoflieferant, sondern die Kunsttischlerei Konrad und Christian Niederhöfer in Edenkoben, keine drei Kilometer vom Haus. Derselben Werkstatt schreibt man den Sessel zu, der bis heute in der Rhodter Kirche steht – dazu gleich mehr.
Auch sonst war das Haus auf dem neuesten Stand seiner Zeit. Die Küche hatte verschiedene Herde, einen Grill sowie fließend kaltes und warmes Wasser, was 1852 in einem Privathaus alles andere als selbstverständlich war. Im Schlafzimmer des Königs sind Tapete, Boden und Möbel bis heute die Originale. Nichts davon ist laut. Wer aus einem Barockschloss kommt, findet die Villa fast schlicht – und genau das war die Absicht, denn Maß halten gehörte zum Stil ebenso wie zum Bauherrn. Ludwig hielt Maß, gerade beim Geld.
Ein Detail verrät die Bestimmung des Hauses deutlicher als jede Beschreibung: Es gibt keinen Thronsaal und keinen Audienzraum von Format. Es gibt Wohnräume, Gästezimmer, Loggien und einen Speisesaal im Erdgeschoss, den 1899 unter Prinzregent Luitpold der Aschaffenburger Maler Adalbert Hock neu ausmalte – schwebende Figuren, Pflanzen, gemalte Architekturen, und im Nebenraum, auf großen gelben Feldern, die Burgen der Pfalz. Ein Herrscher, der sich hier hätte darstellen wollen, hätte anders gebaut. Dieses Haus war nicht für Politik gebaut, sondern für den Sommer.

Die Königin in Rhodt
Die Frau, die zu Fuß ins Dorf kam
Von allen Menschen, die je in der Villa wohnten, hat eine die deutlichste Spur in Rhodt hinterlassen. Sie kam nicht mit der Kutsche zu uns. Sie kam in die Kirche.
Therese von Sachsen-Hildburghausen, geboren 1792 in Seidingstadt, war die Tochter eines kleinen thüringischen Herzogs. Sie war gebildet, musikalisch – und evangelisch, was für eine Heirat in das katholische Haus Wittelsbach kein Nebenumstand war. Als sie 1810 den katholischen Kronprinzen heiratete, ließ sie in den Ehevertrag schreiben, dass sie ihren Glauben behalten dürfe, samt eigener Kapelle und eigenem Pfarrer. Für eine Fürstenbraut jener Jahre war das eine bemerkenswerte Bedingung, und sie erklärt vierzig Jahre später, warum die Königin in Rhodt eine eigene Loge hatte. Die Hochzeit am 12. Oktober 1810 feierte München fünf Tage lang mit einem Pferderennen auf einer Wiese vor der Stadt. Die Wiese heißt seither Theresienwiese. Das Fest heißt Oktoberfest.
Sie schenkte ihm neun Kinder, darunter zwei Könige – Maximilian von Bayern und Otto von Griechenland – und den späteren Prinzregenten Luitpold. Sie führte den Hof mit einer Würde, die ihr das ganze Land hoch anrechnete, und gab einen großen Teil ihrer Einkünfte für Witwen, Waisen und Kranke. Beliebt wie kaum eine Königin vor ihr, galt sie den Bayern als das Bild einer Landesmutter. Ludwig selbst hat es 1841 so gesagt: „Es gibt weder eine bessere Mutter noch eine bessere Ehefrau als Therese.“
Im Juli 1852 kam sie mit ihm für sechs Wochen in die neue Villa, und hier beginnt der Rhodter Teil dieser Geschichte. Während der König sonntags nach Edenkoben zur Messe fuhr, ging die Königin den Hang hinunter nach Rhodt, in die evangelische Kirche – sie war die einzige in Reichweite, in der sie ihren eigenen Gottesdienst besuchen konnte. Schon im April 1848 hatte man ihr zu Ehren die Straße vom Hang ins Dorf mit Kastanien bepflanzt; unter diesen Bäumen kam sie zur Kirche. Die Straße heißt Theresienstraße, die Allee steht heute unter Denkmalschutz. Und in der Kirche wartete ihr Platz: eine eigene Loge mit einem Sessel, in dessen Rücken ein silbern gesticktes „T“ unter einer Krone sitzt, dazu sechs blaudamastene Stühle für ihre Damen – gefertigt um 1852, vermutlich in derselben Werkstatt Niederhöfer, die auch die Böden der Villa gelegt hat.
Sie stiftete dem Dorf außerdem eine Kleinkinderschule; die Theresien-Kindertagesstätte in Rhodt trägt ihren Namen bis heute. 1854 kam sie noch einmal, gemeinsam mit ihrer Tochter Mathilde, der Großherzogin von Hessen. Es war ihr letzter Sommer. Im Oktober 1854 wütete in München die Cholera; Therese war zu früh in die Stadt zurückgekehrt und starb am 26. Oktober, zweiundsechzig Jahre alt. Ludwig schrieb an seinen Sohn Otto: „Du hast die beste der Mütter verloren und ich die beste der Frauen.“
Der Sessel in der Rhodter Kirche ist geblieben, und er ist gepflegt worden. 2002 spendete Herzog Franz von Bayern, der damalige Chef des Hauses Wittelsbach, 2.500 Euro für seine Restaurierung; am 1. Oktober 2003 kehrte er in die Kirche zurück. Wer heute in St. Georg steht, sieht das „T“ auf demselben Platz wie vor hundertsiebzig Jahren – zweihundert Meter von unserem Gartentor entfernt.
Thereses Spuren in Rhodt
- Königinloge in der evangelischen Kirche St. Georg mit dem silberbestickten Sessel
- Theresienstraße mit der Kastanienallee von 1848, denkmalgeschützt
- Theresien-Kindertagesstätte, hervorgegangen aus ihrer Kleinkinderschule
- Restaurierung des Sessels 2002/03 mit Spende von Herzog Franz von Bayern
1852 – 1868
Jeden zweiten Sommer, sechzehn Jahre lang
Als das Haus fertig war, war der Bauherr kein König mehr. Und Edenkoben empfing ihn trotzdem, als wäre er einer.
Wenn der Zug mit dem alten Herrn im Bahnhof von Edenkoben einlief, standen die Leute mit Blumengirlanden Spalier und trugen Gedichte vor. Ludwig trug keine Krone mehr, aber für die Pfälzer blieb er der König – und zwar ein nahbarer: ein Mann, der zu Fuß durch die Weinberge ging, mit den Winzern sprach und lieber im bürgerlichen Rock erschien als im Ornat. Jeden zweiten Sommer, im Juli und August, wohnte er hier, und am 25. August feierte er in der Villa seinen Geburtstag. Am 28. Oktober 1852 besuchte ihn sein Sohn Max II., inzwischen selbst König – jener Maximilian, dem zehn Jahre zuvor die Neustadter das Hambacher Schloss zur Hochzeit geschenkt hatten. Vater und Sohn saßen also an einem Oktobernachmittag über Rhodt beisammen, und beiden gehörte je eine Burg an diesem Hang.
Es sind nur zwei gemeinsame Sommer mit Therese gewesen, 1852 und 1854. Danach kam Ludwig vierzehn Jahre allein. Er wurde alt in diesem Haus, in Würde: ein Achtzigjähriger, der von der Loggia über die Rheinebene schaute, als wäre es die Campagna. 1866 war er zum letzten Mal hier. Dann zog es ihn, wie jeden Winter, nach Süden.
Er starb am 29. Februar 1868 in Nizza, an einem Schalttag, einundachtzig Jahre alt, in einer Villa am Meer – der Mann, der in Straßburg geboren war, starb in Frankreich, in der Sonne, die er sein Leben lang gesucht hatte. Bis zuletzt fuhr er täglich aus, in Salons und auf Bälle, ein Herr der alten Schule. Man brachte ihn nach München und begrub ihn in St. Bonifaz, neben Therese.
Edenkoben hat ihn nicht vergessen, und die Erinnerung ist bis heute an zwei Adressen zu besichtigen. Ludwig hatte der Stadt 4.000 Gulden für eine neue katholische Kirche gestiftet; sie wurde 1890 geweiht und heißt St. Ludwig. Im selben Jahr stellte die Stadt ihm ein Denkmal auf den Marktplatz, der seither Ludwigsplatz heißt. Der Bildhauer Philipp Perron zeigte ihn dabei nicht mit Krone und Mantel, sondern im bürgerlichen Rock – so, wie die Leute ihn hier gekannt hatten, und nicht so, wie ein König sich sonst darstellen ließ.
1868 – 1980
Was aus einem Sommerhaus wird, wenn die Könige gehen
Nach Ludwigs Tod blieb das Haus zwei Jahrzehnte fast leer. Erst sein Sohn Luitpold, seit 1886 Prinzregent, kam ab 1888 wieder regelmäßig herauf, nahm das Haus in Gebrauch und ließ 1899 den Speisesaal neu ausmalen. Im Ersten Weltkrieg diente die Villa als Lazarett – ein Sommerhaus mit zweiundsechzig Zimmern lässt sich schnell in ein Krankenhaus verwandeln. 1918 endete die Monarchie, und 1923 kam das Haus an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Das ist die Stiftung, mit der der Freistaat Bayern und das ehemalige Königshaus ihr Vermögen auseinanderrechneten: Ein Teil der Krongüter blieb der Familie, gebunden an eine Stiftung, ein anderer fiel an den Staat. Dass die Villa dabei bei der Familie blieb, war Kronprinz Rupprechts Verdienst – Ludwigs Urenkel, der sie regelmäßig besuchte.
Im Zweiten Weltkrieg lagerte man die Möbel aus; im Juli 1943 beschädigte eine Luftmine das Haus. Nach dem Krieg quartierte die US-Armee bis zu tausend Soldaten hier ein, danach diente es als Kaserne und als Kinderheim. Man muss sich das vorstellen: In den Räumen, in denen ein König seine Sommer verbracht hatte, standen zwanzig Jahre lang Feldbetten. 1947 bekam der Ausgleichsfonds den Königsbau zurück und richtete ihn mit dem ein, was vom Münchner Leuchtenberg-Palais übrig war – über neunzig Möbelstücke, viele davon nach Entwürfen Leo von Klenzes, des Mannes, der das Haus vollendet hatte. 1952 riss man den Marstall ab.
Rupprecht, der letzte bayerische Kronprinz, kam nach 1945 jedes Jahr in die Pfalz. Er hatte die Kriegsjahre im italienischen Exil verbracht, fern von seiner Familie, die unter dem Regime Schweres erlitten hatte. 1951 stattete er dem Rhodter Weinschlössel einen Besuch ab – der einzige belegte Wittelsbacher in unserem Haus. 1953 war er zum letzten Mal auf der Ludwigshöhe; 1955 starb er, sechsundachtzig Jahre alt.
Danach übernahm das Land. 1975 kaufte Rheinland-Pfalz das Anwesen für 1.888.000 Mark, restaurierte es für weitere 5,7 Millionen und eröffnete es am 20. April 1980 als Museum. Die Möbel behielt der Ausgleichsfonds und gab sie als Dauerleihgabe – eine Lösung, die man häufiger sehen sollte, denn sie hält Haus und Einrichtung zusammen, auch wenn die Eigentümer verschieden sind. Bis heute steht in Ludwigs Schlafzimmer, was ihm gehörte.
Seit 1954
Zehn Minuten, sechshundert Jahre
Zwei Edenkobener hatten 1953 eine Idee, die man ihnen nicht zutraute: eine Sesselbahn von der Villa hinauf zur Rietburg. Ein Jahr später fuhr sie.
Der Zeitpunkt war kein Zufall. Die Weinstraße vor der Haustür brachte in diesen Jahren wieder Ausflügler in die Gegend, und eine Ferienstraße nützt einem Ort nur, wenn es dort etwas gibt, wofür man anhält. Dr. Ludwig Urschbach und Hermann Alles gründeten deshalb im August 1953 die „1. Pfälzische Sesselbahngesellschaft“, bestellten die Anlage bei der Kölner Firma Pohlig und bauten sie in vier Monaten. Am 31. Juli 1954 fuhr der erste Sessel, am 11. August wurde eingeweiht. Es war die erste Sesselbahn in Rheinland-Pfalz: 53 Doppelsessel, elf Stützen, 220 Meter Höhenunterschied, an der steilsten Stelle 58 Prozent Gefälle, acht Minuten Fahrt.
Sie wurde sofort angenommen. Noch im Sommer 1954 saßen die frischgebackenen Fußballweltmeister mit Fritz Walter in den Sesseln. Eine Ziege ist mit der Bahn gefahren und die Wildschweine für das Gehege an der Bergstation auch. 1959 brachten 35 Sonderzüge und 1.100 Busse Gäste nach Edenkoben. Nach fünfzig Jahren zählte man achteinhalb Millionen Fahrgäste – und die Sessel von 1954 hängen noch immer am Seil, seit 2022 mit neuem Antrieb.
Wer sie nimmt, überquert in acht Minuten sechshundertfünfzig Jahre: unten das Sommerhaus von 1852, oben die Ruine von 1204. Und wer an der Bergstation nach Süden schaut, sieht das Dach des Schlössels zwischen den Reben.
Seit 1980
Ein Maler zieht in das Haus des Königs
Dass ausgerechnet Max Slevogt im Obergeschoss hängt, ist mehr als eine Verlegenheitslösung. Es schließt einen Kreis, der in Rhodt beginnt.
Slevogt, 1868 in Landshut geboren – im Jahr, in dem Ludwig starb –, hatte in München und Paris studiert und dort Manet bewundert. Mit Liebermann und Corinth bildete er das Dreigestirn des deutschen Impressionismus, jener Malerei, die das Licht wichtiger nahm als den Gegenstand. 1898 heiratete er in der Martinskirche von Leinsweiler Antonie Finkler, „Nini“, deren Familie das Gut Neukastel über dem Dorf gehörte. 1914 übernahm er das Gut, keine zwanzig Kilometer von hier, und verbrachte dort fortan seine Sommer. Rund 150 Gemälde entstanden auf Neukastel; er malte, was er vor sich sah: die Haardt, die Dörfer, die Rheinebene – dieselbe Ebene, auf die man von der Loggia der Villa blickt. Ein König und ein Maler haben also unabhängig voneinander dieselbe Aussicht gesucht, und beide fanden sie an diesem Hang. Am 20. September 1932 starb Slevogt auf Neukastel; Nini starb wenige Tage nach ihm, und sie liegen nebeneinander im Familiengrab östlich des Hofs.
1971 kaufte das Land Rheinland-Pfalz 121 Gemälde und Zeichnungen von seinen Erben, darunter frühe Arbeiten, die Slevogt zu Lebzeiten nie hergeben wollte. Seit 1980 sind sie hier zu sehen, als Max-Slevogt-Galerie des Landesmuseums Mainz, inzwischen auf über 140 Gemälde gewachsen. 2014 erwarb das Land für 1,2 Millionen Euro auch den zeichnerischen Nachlass – zweitausend Handzeichnungen, viertausend Druckgrafiken. Slevogts Werk ist seither vollständig in der Pfalz, und es hängt in dem Haus, das dem Licht gewidmet war, das er gemalt hat.
Der Kreis schließt sich in Rhodt. Dr. Wilhelm Steigelmann, von 1950 bis 1986 Herr auf dem Schlössel, hatte Slevogt in seiner Sammlung – neben Corinth, Weisgerber und Serr. Was er zusammentrug, wurde 1988 versteigert und in alle Winde verkauft. Was das Land sammelte, hängt achthundert Meter höher und ist geblieben. Es ist der Unterschied zwischen einer privaten Sammlung und einer öffentlichen: Die eine endet mit ihrem Sammler, die andere fängt dort erst an.
Im November 2019 schloss die Villa für eine Sanierung, die zwei Jahre dauern sollte und sechs dauerte – genauso lang wie der Bau. Aus 10,3 Millionen Euro wurden am Ende rund 16; Corona, Ausschreibungen und ein Dach, das schlechter war als gedacht. Hundertfünfzig Fenster wurden ausgebaut und restauriert, dreihundert Innenläden, dazu die Fassade, ein Aufzug, der Brandschutz und der Luitpold-Brunnen mit seinem Bronzehirsch. Am 29. August 2025, um Ludwigs Geburtstag herum, wurde wiedereröffnet, unter dem Motto „La Dolce Vita in der Pfalz“. Prinz Ludwig von Bayern, der Ururenkel des letzten Königs, kam direkt aus Kenia zur Feier. In den Königsräumen ist jetzt zu sehen, wie sie 1850 und wie sie 1900 aussahen. Im Erdgeschoss kocht eine „Osteria 1846“.
Wer im Garten des Rhodter Schlössels steht und den Kopf hebt, sieht beides: das Haus mit den Bildern und darüber die Ruine. Drei Häuser an einem Hang, zwischen dem ältesten und dem jüngsten liegen sechshundertfünfzig Jahre – und alle drei wurden für denselben Blick gebaut, nur mit sehr verschiedenen Absichten. Das obere, um zu sehen, wer kommt. Das mittlere, um den Sommer anzusehen. Das untere, um vom Wein zu leben, der in diesem Licht wächst.
Kurz notiert
- Ludwig I.: geboren 25.08.1786 in Straßburg, Patenkind Ludwigs XVI.; gestorben 29.02.1868 in Nizza
- 1845 Geländekauf: gut drei Hektar für 1.320 Gulden; Grundstein 18.05.1846; bezugsfertig 06.06.1852
- Entwurf Friedrich von Gärtner († 1847), vollendet von Leo von Klenze; Bauleitung Joseph Hoffmann, Ludwigshafen
- 62 Räume; pompejanische Malerei von Joseph Schwarzmann; Holzmosaikböden von Niederhöfer, Edenkoben
- Therese: evangelisch, Kirchgang in Rhodt, Sessel mit dem „T“, Kastanienallee 1848, Kindergarten; † 26.10.1854 an der Cholera
- 1917 Lazarett, 1923 Wittelsbacher Ausgleichsfonds, 1943 Luftmine, bis zu 1.000 US-Soldaten, 1947 Rückgabe
- 1954 Rietburgbahn: erste Sesselbahn in Rheinland-Pfalz, 8,5 Mio. Fahrgäste in 50 Jahren
- 1975 Kauf durch Rheinland-Pfalz (1.888.000 DM), 20.04.1980 Max-Slevogt-Galerie, 29.08.2025 Wiedereröffnung
Die Villa ist von März bis November geöffnet, Mittwoch bis Sonntag. Öffnungszeiten, Führungen und Programm: Schloss Villa Ludwigshöhe
